People Analytics ist seit Jahren ein Dauerthema in der HR-Welt. Mit dem KI-Hype hat es nochmal einen Schub bekommen. Viele SuccessFactors-Kunden fragen sich aber gerade: Was gilt eigentlich noch? Was kommt? Und was sollte ich jetzt tun? Dieser Artikel ist mein Versuch, alles Wesentliche an einem Ort zusammenzufassen und mit unseren detaillierteren Artikeln zu verlinken. Eine Art Schaltzentrale für das Thema.
Was ist People Analytics?
People Analytics wird auch als HR Analytics, Workforce Analytics oder Talent Analytics bezeichnet. Im Kern geht es darum, Personalfragen mit Daten zu beantworten.
Die bekannteste wissenschaftliche Definition stammt von Heuvel & Bondarouk aus 2016: HR Analytics ist „die systematische Identifikation und Quantifizierung der personalbezogenen Treiber von Geschäftsergebnissen.“ Klingt trocken, trifft es aber gut. Es geht nicht darum, mehr Reports zu bauen oder mehr KPIs zu definieren. Es geht darum, Daten so zu verknüpfen, dass sie echte Fragen beantworten – zu Fluktuation, Recruiting-Effizienz, Personalkosten oder Mitarbeiterbindung.
HR-Abteilungen sammeln seit Jahrzehnten Unmengen an Daten. Die meisten davon liegen ungenutzt rum. People Analytics ist der Versuch, aus diesen Daten Entscheidungen abzuleiten statt Bauchgefühle zu bestätigen.
Wer strategisch in das Thema einsteigen möchte, dem empfehle ich unseren Artikel zu People Analytics Strategie-Ansätzen in SAP SuccessFactors. Dort schauen wir auf konkrete Tooloptionen, Entscheidungskriterien und die Frage, welche Kombination aus BI- und Data-Warehouse-Tools wirklich Sinn ergibt.

People Analytics in SAP SuccessFactors – Die drei Säulen
SAP unterteilt People Analytics in SuccessFactors in drei Bereiche. Das Portfolio geht von operativem Reporting bis hin zu strategischer Personalplanung. Wichtig: Die drei Bereiche sind getrennte Themen mit unterschiedlichen Tools, Lizenzmodellen und Einsatzzwecken. Viele Kunden verwechseln das oder erwarten von einem Reporting-Tool, was nur ein Analytics-Tool leisten kann. Mitlerweile ist nur noch Reporting in SuccessFactors, daher benutzt SAP den Begriff People Analytics in Zusammenhang mit SuccessFactors nicht mehr.
Reporting
Das ist die Basis. Mit dem Report Center und Story Reporting deckst du den Großteil der täglichen HR-Berichtsanforderungen ab. Du hast Zugriff auf Standard- und selbst erstellte Berichte sowie Insights Panels. Die Daten sind live und kommen direkt aus SuccessFactors. Story Reporting ist im SF-Lizenzumfang enthalten – keine extra Kosten, kein separater Vertrag.
Das ist der Bereich, der aktuell am meisten Bewegung hat. Legacy Tools laufen aus, Story Report wird weiter ausgebaut. Dazu mehr im nächsten Abschnitt.
Workforce Analytics (WFA)
Auf der nächsten Stufe kommt Workforce Analytics. Hier geht es um vordefinierte, formelbasierte Kennzahlen, Benchmarks und Predictive Analytics. Das Tool nutzt aggregierte Trenddaten für strategische Talententscheidungen und kann auch Daten aus Drittquellen einbinden.
WFA braucht eine separate Lizenz. Und die Roadmap ist ehrlich gesagt nicht ganz klar. SAP hat 2022 kommuniziert, dass WFA nicht verschwindet – aber ein aktiv weiterentwickeltes Produkt sieht auch anders aus. People Intelligence in der Business Data Cloud (BDC) ist die neue Lösung. Mehr Details unten. Offiziell ist die alte Lösung aber noch eine Option.
Den ausführlichen Vergleich zwischen SAP Analytics Cloud und Workforce Analytics on HANA findest du in diesem Artikel.
Workforce Planning (WFP)
Die dritte Säule ist Personalplanung. Supply-Demand-Gap-Analysen, Finanzmodelle, Risikoanalysen, strategische und operative Pläne. Das alles auf mittlere bis lange Sicht.
Wichtig zu wissen: Das alte WFP-Modul in SuccessFactors existiert so nicht mehr. SAP hat das Thema in die SAP Analytics Cloud (SAC) verlagert. Dort gibt es Standard-Templates für die Personalkostenplanung. Auch das braucht eine separate Lizenz. Mehr dazu weiter unten.
Story Reporting – Das Go-Forward-Tool für operatives Reporting
Story Reporting ist die Antwort von SAP auf die Frage, wie Reporting in SuccessFactors langfristig aussieht. Kurz gesagt: Es ist die einzige Antwort. Alle anderen Tools laufen wahrscheinlich aus (es gibt noch keine deadlines).
Das Tool ist eine eingebettete, limitierte Version der SAP Analytics Cloud (SAC) – direkt in SuccessFactors integriert. Für HR-ler, die bisher mit YouCalc Dashboards oder BIRT-Templates gearbeitet haben, fühlt sich das deutlich moderner an. Berechtigungen aus SuccessFactors (RBP) werden vollständig berücksichtigt. Die Daten sind live. Das harmonisierte Datenmodell erlaubt es, verschiedene Module zu kombinieren.

Wichtige Fakten auf einen Blick:
- Kostenfrei im Rahmen der SuccessFactors Platform Lizenz
- Ersetzt Ad-Hoc, Online Report Designer (ORD), BIRT Templates und YouCalc Dashboards
- Voraussetzung ist das Bericht-Center und IAS (Identity Authentication Service)
- Live-Daten direkt aus SuccessFactors
- Harmonisiertes Datenmodell, um alle Module zusammenzuführen
- LMS-Daten stehen alleinstehend zur Verfügung (nicht im harmonisierten Modell)
- Integrierter Content Store mit Standard-Inhalten von SAP
- RBP wird vollständig berücksichtigt
- Empfohlene Browser: Chrome und Edge
Einen Haken gibt es. Performance und Stabilität sind nach wie vor ein Thema. Das hat SAP selbst eingeräumt und bessert hier Release für Release nach. Wer viele große Datensätze abfragt, merkt das noch. Trotzdem: Story Reporting ist deutlich besser als sein Ruf, und der Abstand zu den Legacy-Tools wächst mit jedem Release.
Wie du IAS aktivierst und Story Reporting einrichtest, zeigt unser älterer, aber immer noch gültiger Artikel: IAS für People Analytics.
Und wer wissen will, was Story Reporting im Vergleich zur vollständigen SAC-Live-Verbindung kann und wo die Grenzen liegen, dem empfehle ich: SuccessFactors HCM – SAP Analytics Cloud Live Schnittstelle + Demo.
Release Updates – Story Reporting im Zeitverlauf
SAP veröffentlicht halbjährlich Updates für People Analytics. Ich schreibe dazu regelmäßig einen Überblick, damit du nicht die SAP-Release-Notes durchforsten musst:
- H1 2024 People Analytics SuccessFactors Release Update
- H1 2025 SAP SuccessFactors People Analytics Release im Überblick
- H2 2025 SAP SuccessFactors People Analytics Release im Überblick

Was kommt als nächstes?
Abschaltung der Legacy Reporting Tools
Eigentlich sollte feststehen: Alle alten Tools gehen weg. Kein Canvas, kein Ad-Hoc, kein BIRT, kein YouCalc. SAP hat einen ersten Anlauf schon vor einigen Jahren gestartet – damals scheiterte er an der aufwendigen IAS-Implementierung. Dann 2024/2025 wieder mit der Ankündigung und nach Feedback von vielen Kunden zurückgezogen. Irgendwann wird die Abschaltung wahrscheinlich wieder hochkommen.
Wer noch nicht „migriert“ (Reports müssen nachgebaut werden) hat, sollte das jetzt ernst nehmen. Die genauen Timelines und was als nächstes deaktiviert wird, findest du in diesem Artikel: SAP SuccessFactors Legacy Reporting Abschaltung – Jetzt Story Reporting!
Abschaffung des Classic Design Experience
Ein Thema, das viele noch nicht auf dem Schirm haben: SAP schafft auch das Classic Design innerhalb von Story Reporting ab. Wer seine Stories noch im alten Look gebaut hat, muss umstellen. Die Ankündigung kam Ende 2024, konkrete Schritte folgten im Juli 2025.
Alle Details – und was das für deine bestehenden Stories bedeutet – stehen hier: SuccessFactors Story Reporting – Abschaffung der Classic Reports
Troubleshooting: Common Super Domain und Ladefehler
Ein technisches Thema, das im März 2025 einige Kunden überrascht hat: SAP hat die Embedded Analytics Cloud auf die neue Common Super Domain (CSD) migriert. Bei älteren SuccessFactors-Instanzen führte das zu Ladefehlern in Story Reporting. Wer das Problem kennt oder präventiv verstehen will, was da passiert ist: Ladefehler im Story Reporting – Neue Ursache Common Super Domain und Fehlerbehebung
Business Data Cloud (BDC) und People Intelligence
Das ist das Thema, über das SAP in den letzten Releases immer mehr redet – und das die langfristige Richtung vorgibt.
Die SAP Business Data Cloud (BDC) ist SAPs Antwort auf die Frage, wie Unternehmensdaten aus verschiedenen SAP-Produkten zentral zugänglich gemacht werden. Das Ziel: Daten aus SuccessFactors, S/4HANA, Ariba und anderen Systemen zusammenführen, ohne alles manuell zu integrieren. Technisch basiert das auf SAP Datasphere und SAP Analytics Cloud.
Für SuccessFactors-Kunden relevant wird dabei vor allem People Intelligence – ein Ansatz, der HR-Daten aus SuccessFactors in die BDC bringt und dort mit anderen Unternehmensdaten verknüpfbar macht. Kurz: Personalkennzahlen zusammen mit Finanzdaten, Supply-Chain-Daten oder Vertriebsdaten auswerten. Das ist der nächste Schritt nach Workforce Analytics.
Konkrete Neuerungen zu BDC tauchen bereits im H2 2025 Release auf – mehr dazu im H2 2025 Release Update.
Einen eigenen Artikel zu BDC und People Intelligence plane ich. Sobald er live ist, verlinke ich ihn hier.

Workforce Planning (WFP) – Strategische Personalplanung
Workforce Planning ist kein Reporting-Thema. Das ist ein Planungsthema. Der Unterschied ist wichtig, weil viele ihn unterschätzen.
Beim Reporting schaust du zurück: Was war? Wie viele Mitarbeiter hatten wir im letzten Quartal? Wie hoch war die Fluktuation? Workforce Planning schaut nach vorne: Wie viele Mitarbeiter brauchen wir in zwei Jahren? Welche Rollen werden wegfallen? Was kostet uns das?
Das frühere WFP-Modul in SuccessFactors gibt es so nicht mehr. SAP hat das Thema in die SAP Analytics Cloud verlagert. Dort gibt es Standard-Templates für die Personalkostenplanung – sowohl ein nachgebautes Pendant zum alten WFA-Modul als auch flexiblere Varianten. Die Lösung lässt sich mit SuccessFactors verbinden, aber auch andere Datenquellen sind möglich. ORBIS setzt das intern selbst ein und hat eigene Weiterentwicklungen gebaut.
Was WFP in der Praxis bedeutet, welche Daten du brauchst, und wie eine Bottom-Up-Detailplanung auf Mitarbeiterbasis aussieht, zeigt unser Artikel: Personalkostenplanung (Workforce Planning) in SAP Analytics Cloud. Dort gibt es auch eine kurze Demo. Lohnt sich.
Weitere Ressourcen
Wer tiefer in das Thema einsteigen will, dem empfehle ich diese Quellen:
- OpenSAP Kurs: People Analytics and Evidence-Based Management – kostenlos, mit Praxisbeispielen von Unternehmen wie Nestlé, Bosch und der Deutschen Bahn. Gut für den Einstieg in die Methodik.
- SAP Help Portal – People Analytics: Die offizielle Dokumentation zu Story Reporting, Bericht-Center und WFA. Trocken, aber vollständig.
- SAP Community Blog: Nicht alle Artikel sind gleich gut, aber für technische Details zur Konfiguration oft sehr hilfreich.
- SAP Roadmap Explorer: Wer wissen will, was SAP für People Analytics plant, findet dort die offiziellen Ankündigungen. Selten präzise mit Terminen, aber hilfreich für die Richtung.
Fragen, Kommentare oder Ergänzungen? Ich bin unter chris.wilpert@orbis-people.de erreichbar oder auf LinkedIn.

Mein Schwerpunkt liegt bei SuccessFactors RCM, RMK und People Analytics. People Analytics in SuccessFactors ist schon zu einer Leidenschaft geworden – in guten und in schlechten Zeiten. Seit 2013 in der SuccessFactors Welt. Ich bin immer offen für ein unverbindlichen Austausch.
