SAP Enable Now: Der entscheidende Stichtag ist nicht 2030, sondern April 2027

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Mainstream-Wartung von SAP Enable Now endet am 30. November 2030. Eine erweiterte Wartung ist nicht vorgesehen.
  • Entscheidender für die Planung ist ein früheres Datum: Verlängerungen aktiver Lizenzen von SAP Enable Now sind über den 30. April 2027 hinaus nicht mehr möglich.
  • Lizenzen mit einem Vertragsende nach dem 30. April 2027 laufen bis zu ihrem individuellen Enddatum weiter und enden dann.
  • Nachfolgelösung für Lerninhalte ist WalkMe Learning Arc. SAP hatte WalkMe im Jahr 2024 für rund 1,5 Milliarden US-Dollar übernommen.
  • Die Weiterentwicklung von SAP Enable Now ist bereits gestoppt. SAP Companion erhält keine Updates für UI-Element-IDs mehr, wodurch bestehende Inhalte mit jedem Release der Zielanwendung veralten.
  • Digital-Learning-Inhalte aus SAP Enable Now lassen sich in WalkMe Learning Arc technisch übernehmen. Inhalte aus dem SAP Companion, etwa Guided Tours und Hotspots, sind davon ausgenommen und müssen neu aufgebaut werden.

Als SAP das Wartungsende von SAP Enable Now bekannt gab, richtete sich die Aufmerksamkeit auf eine Jahreszahl: 2030. Vier Jahre klingen nach viel Zeit, entsprechend landete das Thema in vielen Organisationen hinter S/4HANA-Projekten, Prozessoptimierungen und KI-Initiativen.

Inzwischen hat SAP diese Einschätzung selbst relativiert. In einem Beitrag zur Transition weist SAP darauf hin, dass für die meisten Enable-Now-Kunden nicht der 30. November 2030 das relevante Datum ist, sondern der 30. April 2027. Denn ab diesem Zeitpunkt lassen sich bestehende Lizenzen nicht mehr verlängern.

Damit verschiebt sich die Ausgangslage grundlegend. Es geht nicht mehr um eine Migration, die irgendwann vor 2030 abgeschlossen sein sollte, sondern um eine Vertragsentscheidung, die in vielen Unternehmen innerhalb der nächsten Monate ansteht.

Zwei Daten, die man auseinanderhalten muss

In der Kommunikation rund um SAP Enable Now kursieren zwei Termine. Sie bedeuten Unterschiedliches, und ihre Verwechslung ist der häufigste Planungsfehler.

30. November 2030 – Ende der Mainstream-Wartung. Im SAP Help Portal ist festgehalten, dass es sich bei der aktuellen Version um das finale Release handelt. Zu diesem Datum endet die reguläre Wartung, eine Extended Maintenance wird ausdrücklich nicht angeboten. Das bedeutet nicht, dass die Lösung technisch abgeschaltet wird – wohl aber, dass es keinen angekündigten Pfad darüber hinausgibt.

30. April 2027 – letzte Vertragsverlängerung. Über dieses Datum hinaus sind Verlängerungen aktiver Lizenzen nicht mehr möglich. Bestehende Verträge laufen bis zu ihrem individuellen Enddatum weiter und enden dann. Je nach Vertragslaufzeit beschreibt SAP unterschiedliche Szenarien. Welches im eigenen Fall greift, hängt vom konkreten Enddatum ab und sollte mit dem SAP-Ansprechpartner geklärt werden.

Praktisch heißt das: Der 30. November 2030 markiert die äußere Grenze der Nutzbarkeit. Der 30. April 2027 markiert den Zeitpunkt, bis zu dem die Entscheidung getroffen sein muss. Für Unternehmen, deren Vertrag in den kommenden Monaten zur Verlängerung ansteht, ist das kein mittelfristiges Thema mehr.

Parallel hat SAP die Nachfolgefrage beantwortet. Die Produktseite trägt inzwischen die Überschrift „SAP Enable Now wechselt zu WalkMe“ und positioniert WalkMe Learning Arc als künftige Learning-Lösung im SAP-Umfeld. SAP hatte WalkMe im Juni 2024 für rund 1,5 Milliarden US-Dollar übernommen.

Warum das Zeitfenster noch kleiner ist, als die Termine vermuten lassen

Selbst wer den April 2027 im Blick hat, unterschätzt häufig den Aufwand dahinter. Vier Faktoren verkleinern den Handlungsspielraum zusätzlich.

1. Der Stillstand hat bereits begonnen

Mit dem Entwicklungsstopp endet nicht nur die Aussicht auf neue Funktionen. SAP Companion erhält keine Updates für UI-Element-IDs in Zielanwendungen mehr, und die automatisierten Mapping-Funktionen wurden eingestellt. Bestehende Guided Tours und interaktive Elemente veralten damit, sobald sich Oberflächen ändern.

Für Unternehmen mit aktiver S/4HANA- oder SuccessFactors-Landschaft ist das kein theoretisches Problem. Mit jedem Release wird ein Teil des vorhandenen Bestands unbrauchbar – schleichend, verteilt über Jahre und selten an einer Stelle sichtbar. Wer nachvollziehen möchte, wie weit der Innovationsstopp reicht, findet im SAP Road Map Explorer ausschließlich bereits ausgelieferte Funktionen. Der jüngste Eintrag stammt aus dem Jahr 2023.

2. Die Übergangsphase dauert Monate, nicht Wochen

Für die eigentliche Transition sieht SAP eine Phase vor, in der SAP Enable Now und WalkMe Learning Arc parallel lizenziert sind. In dieser Zeit werden Inhalte migriert, konvertiert, getestet und neu publiziert. SAP stellt dafür eine gesonderte Test-und-Go-Live-Lizenz zu deutlich reduzierten Konditionen bereit.

Dieser Schritt betrifft jedes Unternehmen und geht im Tagesgeschäft regelmäßig unter – gewachsene Bibliotheken sind selten ohne Aufräumen migrationsreif. Wie viel darüber hinaus anfällt, hängt vom Nutzungsprofil ab: Simulationen, Quizze, Bücher und Wissensdatenbanken lassen sich übernehmen, Inhalte aus dem SAP Companion nicht. Wer damit gearbeitet hat, plant zusätzlich einen Neuaufbau ein. Welche Inhalte sich im Einzelnen übernehmen lassen, erfahren Sie bald im zweiten Teil dieser Serie.

Nach der Umstellung folgen Rollout, Befähigung der Autor:innen und die Anpassung der Governance. Legt man diesen Ablauf neben die Vertragsfrist, wird die Rechnung eng. Wer erst mit dem Auslaufen des Vertrags beginnt, hat die Übergangsphase bereits verpasst.

3. Der Migrationspfad hat sein eigenes Ablaufdatum

Ein Detail, das in der Planung häufig übersehen wird: Migrierte Inhalte lassen sich über die Anbindung des Enable Now Producer an Learning Arc weiterbearbeiten und synchronisieren. Diese Integration endet ebenfalls am 30. November 2030.

Nach diesem Datum bleiben migrierte Inhalte über Learning Arc verteilbar, sie lassen sich jedoch nicht mehr über den Producer pflegen. Wer spät migriert, wechselt also in eine Umgebung, deren Brücke zum Altsystem bald darauf wegfällt – und verliert genau den Komfort, der die Migration erleichtern sollte.

4. Die kommenden Jahre sind vielerorts bereits belegt

Der letzte Faktor liegt außerhalb der Lernlandschaft. Für SAP Business Suite 7 endet die Mainstream-Wartung Ende 2027, die optionale erweiterte Wartung Ende 2030. Viele Unternehmen haben ihre ECC-Ablösung damit in genau dem Zeitraum eingeplant, in dem auch die Learning-Transition stattfinden müsste.

Zwei Großprojekte im selben Fenster sind organisatorisch anspruchsvoll. Hinzu kommt eine inhaltliche Abhängigkeit: Bei einer S/4HANA-Umstellung werden funktionierende Schulungsinhalte dringender gebraucht als sonst. Sie ausgerechnet dann auf eine neue Plattform zu heben, ist der ungünstigste denkbare Zeitpunkt.

Zwei Themen, zwei Projekte, zwei Lizenzen

Ein Punkt verdient bei der Planung besondere Aufmerksamkeit, weil er den Aufwand maßgeblich bestimmt. SAP Enable Now bündelt zwei unterschiedliche Bereiche: Digital Learning mit Simulationen, Kursen, Büchern und Wissensdatenbanken und Digital Adoption mit Guided Tours, Hotspots und In-App-Hilfen aus dem SAP Companion.

Für die Transition ist diese Unterscheidung entscheidend, denn beide Bereiche werden unterschiedlich behandelt und landen künftig in zwei unterschiedlichen Produkten. Klassische Lerninhalte lassen sich technisch nach WalkMe Learning Arc übernehmen. Companion-Inhalte sind von diesem Weg ausgenommen und müssen in der WalkMe Digital Adoption Platform neu aufgebaut werden.

Zwei Produkte bedeuten zwei Lizenzen. Auf der Adoption-Seite kommt dabei eine zusätzliche Entscheidung hinzu: WalkMe lizenziert diese Fähigkeiten entweder für eine einzelne Anwendung wie S/4HANA oder SuccessFactors – dann als WalkMe Premium – oder für beliebig viele Anwendungen im Unternehmen, dann als WalkMe DAP. Wie viele Systeme heute mit Companion-Inhalten versorgt werden, wird damit zur budgetrelevanten Frage.

Wer beide Bereiche als ein einziges Projekt plant, schätzt Aufwand, Verantwortlichkeiten und Budget systematisch falsch ein.

Was Sie jetzt tun sollten

Aus der Terminlage ergeben sich drei Schritte, die sich unabhängig von der späteren Zielarchitektur lohnen.

Zuerst: das eigene Vertragsenddatum prüfen. Das ist der Schritt mit der höchsten Dringlichkeit und zugleich der schnellste. Liegt das Vertragsende vor dem 30. April 2027, steht eine letzte Verlängerungsentscheidung an. Liegt es danach, endet der Vertrag zu seinem individuellen Enddatum. Beides bestimmt den gesamten weiteren Zeitplan und sollte mit dem SAP-Ansprechpartner verbindlich geklärt werden.

Danach: Transparenz über den Content-Bestand schaffen. Viele Unternehmen wissen genau, welche Systeme sie betreiben. Deutlich schwieriger wird die Frage, welche Lerninhalte tatsächlich genutzt werden. Eine Bestandsaufnahme beantwortet, was existiert, was regelmäßig verwendet wird, was veraltet ist und wo Dopplungen entstanden sind. Je früher diese Transparenz vorliegt, desto fundierter fallen alle weiteren Entscheidungen aus.

Parallel: Digital Learning und Digital Adoption getrennt planen. Die beiden Bereiche folgen unterschiedlichen Zielbildern und unterschiedlichen Wegen. Eine frühe Trennung macht Aufwand, Zuständigkeiten und Zeitbedarf realistisch abschätzbar – und verhindert, dass der Neuaufbau der Companion-Inhalte erst dann auffällt, wenn das Budget bereits steht.

Fazit

Das Wartungsende von SAP Enable Now liegt formal einige Jahre in der Zukunft. Die Entscheidung darüber, wie es mit der eigenen Lernlandschaft weitergeht, steht jedoch deutlich früher an – für viele Unternehmen bereits bei der nächsten Vertragsverlängerung. Der Vorteil einer frühen Auseinandersetzung liegt dabei weniger im Zeitgewinn als in der Wahlfreiheit: Wer jetzt beginnt, entscheidet selbst, was migriert, was überarbeitet und was bewusst nicht weitergeführt wird. Wer spät beginnt, übernimmt, was sich in der verbleibenden Zeit noch übernehmen lässt.

Wie die Migration technisch abläuft, welche Inhalte übernommen werden können und welche neu entstehen müssen, zeigen wir Ihnen bald im zweiten Teil dieser Serie.


Sie wissen nicht, wann Ihr Enable-Now-Vertrag ausläuft und was das für Ihre Planung bedeutet?

In unserer Webinaraufzeichnung zu „WalkMe Learning Arc“ zeigen wir die Plattform aus Autoren- und Endnutzersicht und gehen auf den Migrationsweg aus SAP Enable Now ein.


Häufige Fragen zum Wartungsende von SAP Enable Now

Wann endet die Wartung von SAP Enable Now?

Die Mainstream-Wartung von SAP Enable Now endet am 30. November 2030. Eine erweiterte Wartung über dieses Datum hinaus ist nicht vorgesehen.

Bis wann kann ein SAP-Enable-Now-Vertrag verlängert werden?

Verlängerungen aktiver Subskriptionen sind über den 30. April 2027 hinaus nicht mehr möglich. Verträge mit einem Enddatum nach diesem Termin laufen bis zu ihrem individuellen Enddatum weiter und enden dann.

Wird SAP Enable Now nach 2030 abgeschaltet?

SAP spricht nicht von einer Abschaltung, sondern vom Ende der Mainstream-Wartung am 30. November 2030. Es handelt sich um das finale Release, eine erweiterte Wartung ist nicht vorgesehen und ein Wartungspfad darüber hinaus wurde nicht angekündigt. Enable-Now-Inhalte auf WalkMe Learning Arc lassen sich ab diesem Datum noch verteilen, aber nicht mehr aktualisieren.

Was ist der Nachfolger von SAP Enable Now?

SAP positioniert WalkMe Learning Arc als künftige Learning-Lösung im SAP-Umfeld. Für Inhalte aus dem SAP Companion ist stattdessen die WalkMe Digital Adoption Platform vorgesehen.

Wann sollten Unternehmen mit der Migration beginnen?

Der Startzeitpunkt richtet sich nach dem eigenen Vertragsenddatum und dem 30. April 2027 als letztem Verlängerungstermin. Die von SAP vorgesehene Übergangsphase mit paralleler Lizenzierung dauert rund elf Monate; hinzu kommen Bestandsaufnahme, Neuaufbau nicht migrierbarer Inhalte sowie Rollout und Befähigung der Autor:innen.

Können bestehende Enable-Now-Inhalte übernommen werden?

Klassische Digital-Learning-Inhalte wie Simulationen, Quizze und Bücher lassen sich technisch nach WalkMe Learning Arc überführen. Inhalte aus dem SAP Companion, etwa Guided Tours, Hotspots und In-App-Hilfen, sind von diesem Weg ausgenommen.